Die 5 Erfolgsfaktoren für ein gelungenes Mitarbeitergespräch
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch ist kein nettes Ritual und auch kein Pflichttermin im HR-Kalender. Es ist eines der wirkungsvollsten Führungsinstrumente überhaupt, wenn es richtig eingesetzt wird. In der Praxis scheitern Mitarbeitergespräche jedoch häufig an falschen Annahmen, schlechter Vorbereitung oder unklaren Zielen. Führungskräfte glauben, sie hätten „eh alles gesagt“, Mitarbeitende gehen frustriert oder verunsichert aus dem Gespräch und beide Seiten wundern sich, warum sich danach nichts ändert.

Gerade in der IT, wo Fachkräfte knapp sind, Erwartungen hoch und die Wechselbereitschaft real ist, entscheidet die Qualität der Führungsgespräche über Motivation, Bindung und Leistung. Ein gelungenes Mitarbeitergespräch schafft Klarheit, Vertrauen und Orientierung.
In diesem Beitrag analysieren wir, was ein gelungenes Mitarbeitergespräch wirklich ausmacht, welche Denkfehler Führungskräfte häufig begehen und welche fünf Erfolgsfaktoren den Unterschied zwischen Zeitverschwendung und echter Wirkung ausmachen.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist das Ziel eines gelungenen Mitarbeitergesprächs?
- Wann ist ein Mitarbeitergespräch wirklich gelungen?
- Erfolgsfaktor 1: Klare Zielsetzung der Führungskraft
- Erfolgsfaktor 2: Vorbereitung auf beiden Seiten
- Erfolgsfaktor 3: Aktives Zuhören statt Reagieren
- Erfolgsfaktor 4: Feedback mit Substanz und Richtung
- Erfolgsfaktor 5: Verbindlichkeit und Konsequenz
- Fazit: Führung zeigt sich im Gespräch
1) Was ist das Ziel eines gelungenen Mitarbeitergesprächs?
Viele Mitarbeitergespräche scheitern nicht an mangelnder Empathie, sondern an fehlender Zielklarheit. Führungskräfte gehen in Gespräche mit wohlmeinenden, aber unscharfen Absichten: „Ich will offen sein“, „Ich will Feedback geben“, „Ich will motivieren“. Das klingt richtig, ist aber keine Zieldefinition. Es beschreibt eine Haltung und leider kein Ergebnis.
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch braucht ein explizites Führungsziel. Dieses Ziel muss sich an der Realität der Zusammenarbeit orientieren, nicht an einem idealisierten Harmoniebedürfnis. Führung bedeutet, Orientierung zu geben – und Orientierung entsteht nur dort, wo Unterschiede, Erwartungen und Konsequenzen klar benannt werden.
Laut dem HR-Monitor Deutschland 2025 von McKinsey erhalten mehr als ein Viertel der Beschäftigten kein strukturiertes Feedback, obwohl gerade Orientierung über Leistung und Erwartungen entscheidend für Produktivität ist (McKinsey, 2025).
Ein Mitarbeitergespräch dient nicht primär dazu, sich gegenseitig gut zu fühlen. Es dient dazu, das Arbeitsverhältnis bewusst zu gestalten. Dazu gehören fünf zentrale Funktionen:
1. Leistung einordnen
Mitarbeitende haben ein starkes Bedürfnis nach Standortbestimmung. Nicht im Sinne eines Rankings, sondern im Sinne von: „Bin ich auf Kurs?“ Wer diese Einordnung nicht liefert, überlässt sie Gerüchten, Selbstzweifeln oder unrealistischen Selbstbildern. Beides ist gefährlich.
2. Erwartungen explizit machen
Viele Konflikte entstehen nicht durch schlechte Leistung, sondern durch unausgesprochene Erwartungen. Führungskräfte setzen Dinge voraus, Mitarbeitende interpretieren sie anders. Das Mitarbeitergespräch ist der Ort, an dem implizite Erwartungen explizit werden müssen.
3. Entwicklung ermöglichen oder begrenzen
Nicht jede Entwicklung ist realistisch, nicht jeder Wunsch erfüllbar. Ein gutes Mitarbeitergespräch klärt Entwicklungsperspektiven ehrlich: Was ist möglich? Was nicht? Und warum? Alles andere ist Vertröstung und kostet langfristig Vertrauen.
4. Zusammenarbeit aktiv gestalten
Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer, gerade nicht in komplexen IT-Strukturen. Reibungen, Schnittstellenprobleme und unausgesprochene Spannungen gehören zur Realität. Ein Mitarbeitergespräch ist einer der wenigen Räume, in denen diese Themen strukturiert und ohne Gesichtsverlust angesprochen werden können.
5. Bindung stärken oder gezielt gestalten
Ein oft unterschätzter Aspekt: Mitarbeitergespräche bieten die Chance, die Zusammenarbeit bewusst zu gestalten. Sie können die Bindung stärken und Engagement fördern oder frühzeitig aufzeigen, wo Erwartungen noch nicht optimal übereinstimmen. So entstehen Möglichkeiten, Entwicklungen aktiv zu steuern und gemeinsame Lösungen zu finden, beides trägt zur langfristigen Stabilität und Zufriedenheit bei.
Das eigentliche Ziel eines gelungenen Mitarbeitergesprächs ist daher Orientierung durch Klarheit. Mitarbeitende wollen Antworten auf vier zentrale Fragen:
- Wo stehe ich aktuell?
- Was wird konkret von mir erwartet?
- Was läuft gut, was ist kritisch?
- Welche Perspektive habe ich realistisch?
Ein Gespräch, das diese Fragen beantwortet, schafft Orientierung und echten Mehrwert. Es lenkt Aufmerksamkeit in eine klare Richtung und unterstützt sowohl Mitarbeitende als auch Führungskraft dabei, gemeinsam voranzukommen. Die entscheidende Führungsfrage lautet deshalb nicht:
„Wie mache ich das Gespräch angenehm?“
sondern:
„Welche Klarheit kann ich dieser Person geben, damit sie optimal unterstützt wird?“
Erst wenn diese Klarheit hergestellt ist, entfaltet ein Mitarbeitergespräch seine volle Wirkung.
2) Wann ist ein Mitarbeitergespräch wirklich gelungen?
Ob ein Mitarbeitergespräch gelungen war, entscheidet sich nicht im Raum, sondern nach dem Gespräch. Trotzdem bewerten viele Führungskräfte den Erfolg nach falschen Kriterien: War die Stimmung gut? Gab es keinen offenen Konflikt? Hat niemand widersprochen? Das sind keine Erfolgsindikatoren, das sind oft Warnsignale.
Ein Mitarbeitergespräch ist nicht dann gelungen, wenn es angenehm war, sondern wenn es Wirkung entfaltet. Wirkung bedeutet Veränderung: im Verständnis, im Verhalten, in der Zusammenarbeit oder in den Erwartungen. Bleibt nach dem Gespräch alles wie vorher, war es kein zielführendes Gespräch.
Ein erstes klares Kriterium lautet:
Beide Seiten gehen klarer hinaus als sie hineingegangen sind.
Klarheit heißt nicht Einigkeit. Es ist völlig legitim, dass Mitarbeitende mit Entscheidungen oder Einschätzungen nicht einverstanden sind. Entscheidend ist, dass sie verstehen, warum etwas so gesehen oder entschieden wird. Unklarheit ist der eigentliche Vertrauenskiller und nicht Meinungsunterschiede.
Ein zweites Merkmal eines gelungenen Gesprächs ist, dass Erwartungen explizit ausgesprochen wurden. Viele Führungskräfte glauben, Erwartungen seien „offensichtlich“. In der Praxis sind sie es fast nie. Ein gelungenes Mitarbeitergespräch macht Erwartungen überprüfbar: Was genau wird erwartet? Woran wird Leistung gemessen? Wo sind Grenzen? Wo gibt es Spielräume?
Drittens: Es wurden konkrete Vereinbarungen getroffen.
Ein Gespräch ohne Vereinbarungen ist bestenfalls ein Reflexionsgespräch, aber kein wirksames Führungsinstrument. Vereinbarungen müssen nicht umfangreich sein, aber sie müssen klar sein: Wer tut was? Bis wann? Woran erkennen wir, ob es funktioniert hat? Je abstrakter die Ergebnisse, desto geringer die Wirkung.
Ein viertes Kriterium ist oft unterschätzt: Entwicklung wird realistisch möglich oder bewusst ausgeschlossen.
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch erzeugt keine falschen Hoffnungen. Es benennt Chancen, aber auch Grenzen. Paradoxerweise stärkt gerade das Vertrauen. Mitarbeitende spüren sehr genau, ob Perspektiven ehrlich gemeint sind oder nur als Motivationstaktik dienen.
Schließlich zeigt sich ein gelungenes Gespräch daran, dass Vertrauen nicht beschädigt, sondern belastbarer wird. Vertrauen entsteht nicht durch Schonung, sondern durch Verlässlichkeit. Auch kritische Gespräche können Vertrauen stärken, wenn sie fair, begründet und konsistent geführt werden. Umgekehrt können scheinbar freundliche Gespräche Vertrauen zerstören, wenn sie Probleme umschiffen oder Konflikte vertagen.
Wichtig ist: Nicht jedes gelungene Mitarbeitergespräch fühlt sich gut an. Manche fühlen sich anstrengend, ernüchternd oder sogar enttäuschend an. Das ist kein Zeichen von Scheitern, sondern oft von Ehrlichkeit.
Ein Mitarbeitergespräch ist dann gelungen, wenn es Orientierung schafft, Verantwortung klärt und die Beziehung auf eine realistischere Grundlage stellt, selbst dann, wenn das kurzfristig Reibung erzeugt. Führung zeigt sich nicht im Vermeiden von Spannungen, sondern im professionellen Umgang mit ihnen.
Verlieren Sie keine wertvolle Zeit und sichern Sie sich Ihren Wettbewerbsvorteil.
3) Erfolgsfaktor 1: Klare Zielsetzung der Führungskraft
Der entscheidende Erfolgsfaktor eines gelungenen Mitarbeitergesprächs liegt nicht in der Gesprächstechnik, sondern in der inneren Klarheit der Führungskraft. Wer unklar in ein Gespräch geht, wird unklar führen, unabhängig davon, wie wertschätzend die Worte formuliert sind. Zielsetzung ist deshalb kein formaler Vorbereitungsschritt, sondern ein Führungsakt.
Viele Führungskräfte verwechseln Zielsetzung mit einer Themenliste. Sie sammeln Punkte, die „auch noch angesprochen werden müssten“, und wundern sich anschließend, warum Gespräche zerfasern, defensiv verlaufen oder ohne Ergebnis enden. Ein klares Ziel beantwortet nicht die Frage:
- Worüber reden wir?
sondern: - Wozu führen wir dieses Gespräch?
Typische, legitime Ziele eines Mitarbeitergesprächs können sein:
- Leistungsfeedback geben und einordnen
- Rollen, Verantwortlichkeiten oder Prioritäten klären
- Entwicklungsperspektiven realistisch prüfen
- Kritische Punkte oder Konflikte ansprechen
- Motivation, Belastung oder Bindungskriterien verstehen
- Erwartungen neu justieren oder Grenzen aufzeigen
Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Ziele, sondern der Fokus. Ein Mitarbeitergespräch ist kein Sammelbecken für alles, was sich über Monate angestaut hat. Wer versucht, alles unterzubringen, erreicht am Ende meist gar nichts.
Klare Zielsetzung bedeutet auch, Spannungen bewusst auszuhalten. Häufig stehen Ziele in Konkurrenz zueinander, zum Beispiel:
- Entwicklung fördern und Leistung einfordern
- Beziehung stabilisieren und Fehlverhalten benennen
- Motivation stören und unbequeme Wahrheiten aussprechen
Führung zeigt sich darin, diese Zielkonflikte nicht zu verwässern, sondern bewusst zu steuern.
Eine zentrale Prüfungsfrage für jede Führungskraft lautet deshalb:
- Was soll nach diesem Gespräch konkret anders sein als davor?
Mögliche Antworten könnten sein:
- Ein verändertes Verhalten
- Mehr Klarheit über Erwartungen
- Eine getroffene Entscheidung
- Ein klares Signal zu Leistung oder Perspektive
Zur Zielklarheit gehört auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Nicht jedes Mitarbeitergespräch dient der Motivation. Manche dienen der Korrektur, andere der Klärung von Passung. Wer jedes Gespräch positiv aufladen will, verliert an Glaubwürdigkeit.
Eine klar gesetzte Gesprächsabsicht wirkt wie ein innerer Kompass:
- Sie strukturiert das Gespräch
- Sie gibt Sicherheit in schwierigen Momenten
- Sie verhindert Ausweichen, Relativieren oder Beschönigen
Mitarbeitende spüren diese Klarheit sofort und reagieren meist mit mehr Ernsthaftigkeit und Orientierung. Klare Zielsetzung ist deshalb kein Detail, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Mitarbeitergespräch überhaupt Wirkung entfalten kann.
4) Erfolgsfaktor 2: Vorbereitung auf beiden Seiten
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch entsteht nicht im Gespräch selbst, sondern in der Qualität der Vorbereitung. Vorbereitung ist dabei kein bürokratischer Akt, sondern ein Ausdruck von Respekt und Führungsanspruch. Wer unvorbereitet in ein Mitarbeitergespräch geht, sendet oft ungewollt die Botschaft: Dieses Gespräch ist nicht wichtig genug.
Viele Führungskräfte verlassen sich auf ihr Bauchgefühl oder auf eine diffuse Gesamteinschätzung der letzten Monate. Genau das ist problematisch. Bauchgefühl ist selektiv, erinnerungsanfällig und stark von der letzten Situation geprägt. Gute Vorbereitung zwingt dazu, Wahrnehmungen zu überprüfen und zu strukturieren.
Vorbereitung auf Seiten der Führungskraft bedeutet:
- konkrete Beobachtungen sammeln statt pauschaler Eindrücke
- Fakten klar von Interpretationen trennen
- relevante Beispiele vorbereiten
- Ziele priorisieren und begrenzen
- Zeitrahmen realistisch planen
Unvorbereitete Führung wirkt beliebig. Beliebigkeit untergräbt Vertrauen jedoch schneller als kritisches Feedback.
Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Vorbereitung der Mitarbeitenden. Ein Mitarbeitergespräch ist kein einseitiges Bewertungsinstrument, sondern ein Dialog. Ohne Vorbereitung entsteht ein Machtgefälle, in dem Mitarbeitende reagieren statt gestalten.
Ein wirksamer Schritt ist es, im Vorfeld Leitfragen mitzugeben, zum Beispiel:
- Was lief aus deiner Sicht gut?
- Wo gab es Herausforderungen oder Reibungen?
- Was brauchst du aktuell von deiner Führungskraft?
- Wo siehst du Entwicklungswünsche oder -grenzen?
Diese Vorbereitung verändert die Gesprächsdynamik grundlegend. Mitarbeitende kommen nicht defensiv, sondern reflektiert ins Gespräch. Führungskräfte gewinnen Einblick in Perspektiven, die im Alltag oft verborgen bleiben.
Wichtig ist: Vorbereitung darf nicht zur Absicherung gegen Konflikte missbraucht werden. Sie dient nicht dazu, Argumente zu sammeln, um Recht zu behalten, sondern um klar, fair und wirksam zu führen.
Ein gut vorbereitetes Mitarbeitergespräch ist kein Garant für Harmonie, aber fast immer eine Voraussetzung für Klarheit, Verbindlichkeit und gegenseitigen Respekt.
5) Erfolgsfaktor 3: Aktives Zuhören statt Reagieren
Aktives Zuhören ist einer der wirkungsvollsten und zugleich seltensten Führungsakte im Mitarbeitergespräch. Viele Führungskräfte glauben, sie hörten zu, tatsächlich warten sie auf ihren Einsatz. Sie hören, um zu reagieren, zu erklären oder zu korrigieren. Das ist verständlich, aber es verhindert Erkenntnis.
Ein Mitarbeitergespräch wird erst dann wirksam, wenn Führungskräfte bereit sind, ihre eigene innere Reaktion zu unterbrechen. Aktives Zuhören bedeutet nicht Zustimmung, sondern Aufmerksamkeit. Es geht nicht darum, die eigene Position aufzugeben, sondern die Perspektive des Gegenübers wirklich zu erfassen, bevor man sie bewertet.
Konkret bedeutet aktives Zuhören:
- nicht sofort zu bewerten oder einzuordnen
- nicht in Rechtfertigung oder Verteidigung zu gehen
- nicht zu unterbrechen oder zu relativieren
- gezielte Rückfragen zu stellen
- Gehörtes in eigenen Worten zusammenzufassen
Gerade in anspruchsvollen Umfeldern wie der IT ist dieser Punkt zentral. Viele Mitarbeitende haben gelernt, dass Feedback zwar abgefragt, aber nicht ernsthaft aufgenommen wird. Die Folge: vorsichtige Formulierungen, Ironie oder Rückzug. Aktives Zuhören durchbricht dieses Muster, weil es zeigt: Das Gesagte hat Konsequenzen.
Ein häufig unterschätzter Effekt: Wer aktiv zuhört, gewinnt Zeit. Zeit, um Muster zu erkennen, statt reflexhaft zu reagieren. Zeit, um zwischen Emotion und Inhalt zu unterscheiden. Zeit, um angemessen statt impulsiv zu führen.
Ein einfacher, aber wirkungsvoller Satz lautet:
- „Wenn ich dich richtig verstehe, dann …“
Dieser Satz zwingt zur Präzision auf beiden Seiten. Er korrigiert Missverständnisse früh und signalisiert Ernsthaftigkeit.
Wichtig ist: Aktives Zuhören bedeutet nicht, jede Perspektive stehen zu lassen. Führungskräfte behalten die Verantwortung für Entscheidungen und Konsequenzen. Doch Entscheidungen, die auf echtem Verstehen beruhen, werden eher akzeptiert, selbst dann, wenn sie unbequem sind.
Aktives Zuhören ist damit kein Soft Skill, sondern ein strategisches Führungsinstrument.
6) Erfolgsfaktor 4: Feedback mit Substanz und Richtung
Feedback ist der Kern jedes Mitarbeitergesprächs und zugleich der Bereich, in dem Führung am häufigsten verwässert wird. Viele Gespräche enthalten Feedback, aber nur wenige enthalten wirksames Feedback. Der Unterschied liegt nicht im Tonfall, sondern in der Substanz und in der Richtung.
Substanz bedeutet: Feedback bezieht sich auf konkretes, beobachtbares Verhalten. Nicht auf Charakter, Motive oder Vermutungen. Pauschale Aussagen wie „Du bist oft unzuverlässig“ oder „Deine Kommunikation ist schwierig“ erzeugen Abwehr, aber keine Orientierung. Mitarbeitende können sich zu solchen Aussagen nicht sinnvoll verhalten.
Wirksames Feedback ist:
- konkret und beobachtbar
- zeitlich eingeordnet
- sachlich formuliert
- frei von Unterstellungen
- für die Person nachvollziehbar
Richtung bedeutet: Feedback bleibt nicht im Rückblick stecken. Es beantwortet die Frage, was künftig anders oder gleich bleiben soll. Feedback ohne Richtung ist rückwärtsgewandt und wirkt demotivierend, weil es keine Handlungsoption eröffnet.
Ein Beispiel für Feedback mit Substanz und Richtung:
- „In den letzten drei Sprints wurden zwei Deadlines ohne Vorabinformation überschritten. Das hat die Planung im Team erschwert. Ich erwarte, dass du Verzögerungen künftig frühzeitig kommunizierst, spätestens, sobald sie absehbar sind.“
Hier wird Verhalten benannt, Wirkung erklärt und Erwartung formuliert. Das ist Führung.
Auch positives Feedback braucht Substanz: Allgemeines Lob wie „Das hast du gut gemacht“ ist nett, aber erst durch konkrete Beispiele, die erklären, was genau gut war und warum, entfaltet es Verstärkung.
Feedback mit Substanz und Richtung fördert Orientierung, Motivation und Entwicklung. Es ist die Grundlage dafür, dass Verhalten, Leistung und Zusammenarbeit nachhaltig wachsen können.
7) Erfolgsfaktor 5: Verbindlichkeit und Konsequenz
Feedback ist der Kern jedes Mitarbeitergesprächs und zugleich der Bereich, in dem Führung am häufigsten verwässert wird. Viele Gespräche enthalten Feedback, aber nur wenige enthalten wirksames Feedback. Der Unterschied liegt nicht im Tonfall, sondern in der Substanz und in der Richtung.
Viele Mitarbeitergespräche entfalten ihre Wirkung nicht im Gespräch selbst, sondern in dem danach. Führungskräfte investieren Zeit, entwickeln klare Gedanken und gestalten Gespräche und erst durch das konsequente Handeln nach dem Gespräch entsteht echte Wirkung. Für Mitarbeitende ist dies ein starkes Signal: Worte werden ernst genommen, und Vereinbarungen haben Gewicht.
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch endet deshalb nicht nur mit einem guten Gefühl, sondern mit Verbindlichkeit. Verbindlichkeit bedeutet, dass aus Einsichten konkrete, nachvollziehbare Handlungen entstehen.
Dazu gehören:
- klar formulierte Vereinbarungen
- eindeutige Verantwortlichkeiten
- realistische Zeiträume
- überprüfbare Kriterien
- definierte Follow-up-Termine
Konsequenz bedeutet dabei nicht Härte, sondern Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit. Mitarbeitende erleben Vertrauen, wenn Vereinbarungen ernst genommen, nachgehalten und bei Bedarf nachjustiert werden und nicht folgenlos bleiben.
Verbindlichkeit gilt in beide Richtungen: Führungskräfte übernehmen Verantwortung für ihre Zusagen ebenso wie Mitarbeitende für ihre Aufgaben. Ein solches Vorgehen stärkt Sicherheit, reduziert Interpretationsspielräume und macht das Gespräch zu einem wirksamen Steuerungsinstrument.
Mut zur konsequenten Umsetzung bei noch nicht erfüllten Vereinbarungen ist Teil professioneller Führung. So wird deutlich, dass Mitarbeitergespräche nicht nur Worte, sondern aktive Gestaltung von Entwicklung, Leistung und Zusammenarbeit sind.
8) Fazit: Führung zeigt sich im Gespräch
Mitarbeitergespräche zeigen deutlich, wie klar Erwartungen formuliert werden, wie wertvoll Leistung und Entwicklung genommen werden und wie konsequent Führung wirkt. Nicht Leitbilder oder abstrakte Werte, sondern das Gespräch selbst macht sichtbar, wie Führung im Alltag gelebt wird.
Die fünf Erfolgsfaktoren verdeutlichen: Wirksame Mitarbeitergespräche entstehen nicht nur durch gute Absichten, sondern durch bewusste Entscheidungen und gezieltes Handeln. Klare Zielsetzung, sorgfältige Vorbereitung, aktives Zuhören, substanzielles Feedback und konsequente Nachverfolgung sind keine Soft Skills, sondern Ausdruck professioneller Verantwortung und wirksamer Führung.
Gerade in dynamischen und anspruchsvollen Arbeitsumfeldern wie der IT stärken Mitarbeitergespräche vorhandene Strukturen, indem sie Orientierung in unsicheren Situationen schaffen, Verlässlichkeit sichern und Vertrauen durch Klarheit aufbauen.
Wer Mitarbeitergespräche in der IT bewusst führt, sendet ein klares Signal: Leistung, Entwicklung und Zusammenarbeit werden nicht dem Zufall überlassen, sondern aktiv gefördert. Führung zeigt sich nicht in Worten über Verantwortung, sondern darin, wie gezielt und wirksam Gespräche gestaltet werden.
Warten Sie nicht, bis die Konkurrenz handelt.
Verena El-Rayes
- 10+ Jahre Personalbranche
- Niederlassungsleiterin bei internationalem Marktführer für Personaldienstleistungen
- HR Business Partnerin in Top-Tier-Beratungsunternehmen
- Global IT-Recruiting in einem der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs
- BWL Studium und MBA mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Arbeitsrechtsexpertin
- Breites IT-Netzwerk, Förderung von Frauen in MINT, Unterstützung von IT-Nachwuchs
Verena El-Rayes
- 10+ Jahre Personalbranche
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